2 Tagesseminar Mantrailing mit Hardy Schröder

von Christian Knecht | Okt. 9, 2023

Mantrailing Seminar 2023

Neue Horizonte im Mantrailing: Ein aufregendes Seminar mit Hardy Schröder

Es war der 7. und 8. Oktober 2023, an dem sich eine Gruppe von leidenschaftlichen Mantrailern zu einem aufregenden 2-Tagesseminar zusammenfand. Iris Mumenthaler von der Hundeschule Iris hatte dieses besondere Event organisiert und mit Hardy Schröder von Mantrailing-Zuerich einen erfahrenen Instruktor und Trail-Experten eingeladen. Die beiden Seminartage fanden an verschiedenen Orten statt, am Samstag in Dübendorf und am Sonntag in Uster. Hardy Schröder ist bekannt für seine Begleitung von über tausend Trails pro Jahr und seine enge Zusammenarbeit mit Kollegen aus den USA und England, bei der aktuelle Mantrailing-Erfahrungen geteilt werden, aber auch diverse Polizeicorps greifen auf dieses Wissen zu. Für uns als Teilnehmer bot dies die ideale Gelegenheit, unser bestehendes Wissen zu vertiefen und mit neuen Erkenntnissen zu bereichern, die wir in Zukunft in unserer Trail-Plauschgruppe anwenden können.

Wir hatten beschlossen, das Seminar gemeinsam mit unseren Hunden Raja, Carina und Ruby zu besuchen. Alle drei Hunde stammen aus dem Tierschutz und bringen unterschiedliche Herausforderungen mit sich. Raja ist die erfahrene und kluge Trailerin, allerdings sind einige ihrer Trail-Verhaltensweisen ritualisiert und müssen überdacht werden. Carina ist leicht ängstlich und vergisst manchmal ihre Aufgabe, was die Motivation für den Trail schwierig macht. Ruby hingegen ist ängstlich, aber hochmotiviert. Sie hat das Talent, trotz ihrer Ängste ihre Aufgabe zu erfüllen. Somit waren alle Voraussetzungen für das Seminar gegeben.

Im ersten Trail analysierte Hardy unsere Hunde und unser Trailer-Verhalten genau. Ruby war die erste, die den Trail antreten durfte. An diesem Tag war sie besonders ängstlich, weshalb Hardy einen einfachen und kurzen Trail wählte. Eine neue Herangehensweise war, dass die versteckte Person die Belohnung übergab, anstatt ich als Hundeführer. Der Sinn dahinter bestand darin, die versteckte Person für den Hund interessanter zu machen. Dieser Ansatz war für uns neu und stellte Ruby vor eine Herausforderung, sich in der neuen Umgebung und Motivation auf der Spur zu halten. Doch sie kämpfte tapfer und meisterte den Trail.

Für Raja legte Hardy einen anspruchsvollen Trail fest. Patricia musste mit Raja direkt am Start eine Treppe hinunter in ein Parkhaus gehen. Dieser Trail erforderte viele Richtungswechsel und kreuzte eine alte Spur. Raja ist eine Hündin, die ungern zu fremden Menschen geht, daher war die Aufgabe, die Belohnung bei der versteckten Person abzuholen, für sie eine Herausforderung.

Am Nachmittag war Carina an der Reihe. Bei der Geruchsaufnahme änderten wir unsere Methode und setzten weniger Druck ein. Wir verlangten nicht mehr, dass sie ihren Kopf in den Geruchsträgerbeutel steckte, sondern hielten den Geruchsträger direkt vor ihre Nase und legten ihn auf den Boden, damit sie eigenständig daran riechen konnte (manchmal gab es noch ein Leckerli dazu). Auf Hardys Rat hin versuchte ich, die Leine zwischen 2-3 Metern Länge zu halten und mein Tempo an Carina anzupassen. Der Hund sollte mehr Führung übernehmen und Entscheidungen treffen, während ich als Hundeführer weniger in meinem Kopf feststecken und meinen Hund in eine bestimmte Richtung drängen sollte. Diese Methode funktionierte recht gut, bis zu dem Moment, als Carina in einem Garten auf eine Statue (ein Froschkönig) stieß. Das brachte sie aus dem Konzept, und es erforderte einige Motivationshilfen, um sie wieder auf die Spur zu bringen. Ich muss lernen, Carina im Fluss zu halten, das ist meine Aufgabe. Das Ende des Trails gefiel ihr gut, als sie eine vertraute Person traf, die Futter hatte. So konnte sie das erfolgreiche Ende des Trails feiern.

Patricia musste im zweiten Lauf mit Raja einige neue Techniken umsetzen, was ihr bereits gut gelang. Sie liess bis jetzt Raja bewusst selbständig arbeiten und alle Kreuzungen und Abzweigungen eigenständig auszuarbeiten, immer erhielt Raja eine lange Leine. Der Hund lernte aber, dass er, wenn er die Leine bekam, dass die Spur wahrscheinlich nicht dort war und ging automatisch zurück. Neu muss sie immer hinter Raja hergehen und ihr die Entscheidung überlassen, ob es richtig ist oder falsch. Dieser neue, einfachere Ansatz entsprach mehr unserer Vorstellung. Aber es war nicht immer einfach, von alten Gewohnheiten abzuweichen.

Ruby durfte am Ende des Tages noch zweimal an einem kurzen Motivationstrails teilnehmen, um auch das Suchen und Ansprechen von unbekannten Personen zu üben und positiv zu verknüpfen.

Der Sonntag führte uns nach Uster, wo Ruby in ihrem ersten Trail nach einer bekannten Person suchen musste. Dieser Trail führte durch enge Wege und über eine kleine Brücke, was Ruby vor eine Herausforderung stellte. Sie fand die versteckte Person, aber in dem Moment kam ein Kind mit einem Skateboard vorbei, was Ruby ängstigte und dazu führte, den Trail nochmals zu beginnen, um ein positives Ende für Ruby zu schaffen.

Raja durfte mit einem schweren Start loslaufen. Der Geruch war in einem Gang und musste dann sorgfältig ausgearbeitet werden. Viele neue Ideen wurde von dem Team schon umgesetzt. Auf einem langen Trail quer durch Uster musste sich Patricia und Raja zurechtfinden. Mit Wegen die als solche gar nicht sichtbar waren.

Bei dem Start von Carina öffnet sich eine automatische Tür. Diese musste abgewartet werden, bis der Trail starten konnte. Carina meisterte dies souverän und verließ die Tiefgarage, um der Spur zielgerichtet zu folgen. Dort kreuzte sie eine alte Spur, die sie aber nicht lange interessierte. Dann stockte Carina plötzlich und schien zu studieren. Für mich war es sehr schwierig, ca. 30 Sekunden lang regungslos zu warten, bis Carina wieder einen Schritt unternahm. Etwa 50 Meter vor dem Ziel (Patricia war die versteckte Person) entdeckte Carina sie und war sich sicher, dass sie das Ziel erreicht hatte. In diesem Moment legte sich Patricia jedoch nieder. Das verwirrte Carina, und sie bewegte sich nur noch langsam auf das Ziel zu, unsicher, was zu tun war. Erst als ihr Patricia die Belohnung hinhielt, merkte sie, dass das Ziel erreicht war. Es war also ein grosser Unterschied, ob eine versteckte Person saß, stand oder lag.

Raja führte den letzten Trail aus. Hardy hatte sich besondere Mühe gegeben und ihr einen Trail mit vielen Herausforderungen gelegt. Schon zu Beginn mussten sie eine lange Rampe hinaufgehen, bei der es oft zu Spurabbrüchen kommt. Erfahrene Hunde wie Raja müssen über solche Abbruchstellen hinwegtraben und den Trail fortsetzen. Oben öffnete sich ein weiter Platz, auf dem es schwer war, die richtige Spur zu verfolgen. Raja meisterte dies jedoch. Mit vielen Richtungswechseln und einem erhöhten Zielort schaffte sie es, den letzten Trail erfolgreich abzuschliessen.

Wir haben an diesem Wochenende viel gelernt, Neues ausprobiert und Altbewährtes in Frage gestellt. Es war sowohl für die Hunde als auch für die Menschen anstrengend, aber am Ende kehrten wir mit einem positiven Gefühl nach Hause zurück. Die Art und Weise, wie Hardy sein Wissen vermittelt, ist äußerst angenehm und motivierend. Wir haben das Wochenende sehr genossen und sind Iris dankbar, dass sie alles für uns organisiert hat. Nach einer wohlverdienten Erholung freuen wir uns in den kommenden Wochen und Monaten darauf, das Neue in unseren Trails mit unseren Freunden auszuprobieren.

Ich kann dieses Seminar allen Mantrailern wärmstens empfehlen. Es bietet nicht nur eine Fülle von Erkenntnissen und Techniken, sondern stärkt auch die Bindung zwischen Mensch und Hund und eröffnet neue Möglichkeiten für aufregende Abenteuer beim Mantrailing.